Riyad Aledrise

Flüchtlingshelfer

Ein Mann für alle Fälle

Riyad Aledrise flüchtete vor zwei Jahren aus Libyen nach Deutschland. Heute hilft er selbst anderen Geflüchteten am Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales, kurz LAGeSo, das 2015 in deutschen Medien zum Symbolbild der Flüchtlingskrise wurde. Hunderte Menschen warteten dort oft tagelang auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge. Für die Bürgerinitiative „Moabit hilft!“ koordiniert Riyad die Erstversorgung am LAGeSo. Auf Snapchat nimmt er uns einen Tag lang mit in sein Leben, zwischen Alltag und Krise.

Die Ereignisse seines Tages findet ihr hier im Video:

Morgens, halb neun in Berlin Moabit. „Bis jetzt ist noch keiner da“, sagt Riyad Aledrise und schließt das Tor zu dem alten Backsteingebäude auf. Riyad ist morgens immer der Erste, „die anderen Helfer kommen erst um zehn“, erklärt er. Seit einem Jahr arbeitet er ehrenamtlich im Versorgungszentrum am Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales, kurz LAGeSo. Hier kümmert sich die Bürgerinitiative „Moabit hilft!“ seit 2013 um die Erstversorgung von Geflüchteten, hilft bei Behördengängen, organisiert Deutschkurse und Freizeitangebote. „Ich koordiniere“, sagt Riyad stolz. In den 90er Jahren hat er einige Zeit in Deutschland studiert und spricht fließend deutsch. Dadurch wird er am LAGeSo zum Ansprechpartner für Helfer und Geflüchtete. Wo etwas fehlt, ist Riyad zur Stelle – der Mann für alle Fälle.

79.034 Flüchtlinge kamen 2015 in Berlin an. Eine Zahl, der die bürokratische Infrastruktur des LAGeSo nicht standhalten konnte. Tagelang mussten Menschen vor dem Gebäude ausharren, bevor ihre Asylanträge bearbeitet wurden – im Sommer bei sengender Hitze, im Winter bei Eiseskälte. Bürgerinitiativen wie „Moabit hilft!“ kamen mit der Erstversorgung kaum nach und die Situation am LAGeSo wurde zum Symbolbild der Flüchtlingskrise.

Folge4_Infografik-balken-neu

Inzwischen kommen weniger Asylsuchende in Deutschland an, und das LAGeSo hat zusätzliche Räumlichkeiten in einem Kongresszentrum angemietet. „Die Lage hat sich geändert, es ist ruhiger geworden“, sagt Riyad.

Bevor der Trubel im Versorgungszentrum losgeht, checkt Riyad das Lager. Es fehlen Deo, Milch, Klopapier und Babynahrung. Gemeinsam mit Kollege Hamoudi sorgt er für Nachschub, klappert Geschäfte in der Umgebung ab und kauft stapelweise Klopapier. „So sieht das aus, wenn wir einkaufen gehen“, sagt Riyad, während Hamoudi mit beiden Händen Deospray-Flaschen in den Einkaufswagen räumt.

Um die Mittagszeit läuft der Betrieb am LAGeSo auf Hochtouren. Etwa 30 Helfer sind pro Tag im Einsatz, beraten bei der Auswahl von Babykleidung, portionieren Zahnbürsten und Windeln in familienfreundliche Rationen und verteilen Kaffee an die Wartenden auf dem Hof. Trotz der vielen Menschen ist die Stimmung freundlich. „Es gibt keine Anfeindungen“, sagt Riyad. „Wir sind hier eine große Familie!“

Mittags gibt es Essen für die Helfer. Auf dem Hof scheint die Sonne und eine Frau greift spontan zur Gitarre. Überall wuseln Kinder herum und folgen neugierig dem geschäftigen Treiben der Erwachsenen. Riyad trifft Saman, der bei der Kleiderausgabe hilft. Saman kommt aus Syrien und ist mit dem Boot geflüchtet. „Auf dem Boot waren Frauen mit Babys. Viele Menschen hatten Angst“, erzählt er. Neben der gemeinsamen Arbeit verbindet die Menschen am LAGeSo die Erfahrung der Flucht. „Ich vermisse meine Familie, sagt Saman. Er ist ganz alleine nach Deutschland gekommen. Riyad selbst flüchtete vor zwei Jahren aus Libyen. Er konnte seine Familie mit nach Deutschland bringen.

Bevor Riyad Feierabend am LAGeSo macht, nimmt er sich Zeit für die Fragen der User.

Nach getaner Arbeit holt Riyad seine Töchter von der Schule ab. Während er sich unermüdlich für Andere einsetzt, ist sein eigener Aufenthaltsstatus noch nicht abschließend geklärt. „Ich war vorgestern in der Anhörung und warte noch auf die Antwort. Nächste Woche vielleicht“, sagt Riyad traurig, „drückt mir die Daumen!“.

Wer ehrenamtlich Flüchtlingshilfe leisten möchte, sollte bei einem Verein oder einer Notunterkunft nachfragen. Infos gibt es zum Beispiel auf den Seiten von Pro Asyl.