Mario Olszinski

Dragqueen

Sein Beruf: Frau-Sein!

Mario Olszinski ist hauptberuflich Drag-Queen. Als Jurassica Parka ist der 36-jährige Berliner in der Szene bekannt, legt auf, modelt nebenbei, schreibt Kolumnen und bespielt mittlerweile auch seinen eigenen Youtube-Kanal. Seinen früheren Job als Kommunikationsdesigner hat er schon lange an den Nagel gehängt und seine wahre Berufung auf der Bühne gefunden. Auf Snapchat hat er uns einen Tag lang mit in sein aufregendes Leben genommen und gezeigt, wie viel Mario unter Jurassicas Make-Up steckt.

Hier gibt’s das Best-Of des Snapchat-Tages:

Marios Tag beginnt mit Rührei, schwarzem Kaffee und Sekt in Berlin Schöneberg. Hier wohnt er mit Ehemann Klaus und dem temperamentvollen Familienhund Putin zwischen Glitzer-Kostümen und Perücken. Seit 2004 beschäftigt sich Mario mit Drag-Kultur und stürmt seit acht Jahren als hauptberuflicher Travestie-Künstler unter dem Namen Jurassica Parka die Bühne. „Für mich ist Travestie eine Lebenseinstellung und auch ein Lebensinhalt,“ schwärmt Mario. Sein Alter Ego Jurassica ist in der Wohnung allgegenwärtig – in jeder Ecke schimmern glamouröse Accessoires, auf Bildern an der Wand posiert die Dragqueen in fabelhaften Outfits.

Sein Mann Klaus, den er liebevoll „Klausi“ nennt, unterstützt Marios Travestie-Leidenschaft. „Mein Mann ist immer am Start, ich liebe ihn sehr!“ Die beiden sind seit dreieinhalb Jahren verheiratet.

Nach dem Frühstück zieht es Mario zum Shoppen auf den Kurfürstendamm. „Ich bin im Schmink-Paradies“, ruft er und studiert mit fachkundigem Blick die bunten Puderdosen in der Kosmetik-Boutique. Er braucht neues Make-Up, Strumpfhosen und verrät seine heimliche Leidenschaft: falsche Wimpern.

Mit seinem Faible für Wimpern ist Mario nicht alleine. Mit 63,4 Prozent ist Wimperntusche das beliebteste Kosmetikprodukt Deutschlands. Ob damit Plastik- oder echte Wimpern getuscht werden, ist nicht dokumentiert.

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Unterwegs begegnet Mario einer Kundgebung zum internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie. Der Aktionstag wird seit 2005 genutzt, um weltweit auf Diskriminierung und Gewalt gegen queere Menschen aufmerksam zu machen. Unter der Abkürzung #IDAHOT verschaffen sich auch heute zahlreiche Demonstranten Gehör. Der Tag erinnert an den 17. Mai 1990, als die Weltgesundheitsorganisation beschloss, Homosexualität nicht mehr als Krankheit zu definieren. Mario freut sich über die Kundgebung und die vielen Regenbogenflaggen mitten im Kiez. „Find ich toll. Das ist Berlin!“ Dann nimmt er sich bei einer großen Tasse Kaffee Zeit für Fragen der User. Dabei spricht er auch über seine eigene Homosexualität.

Bewaffnet mit einer Flasche Sekt macht Mario als nächstes Station an der Modeschule Esmod in Berlin Kreuzberg. Dort trifft er die Design-Studentin Johanna Goldbach zur Anprobe. Beim Abstecken der Taille wird es eng. „Ich habe ein bisschen zugenommen, weil ich immer so gerne Schnaps trinke und Sahne esse,“ gesteht Mario. In ihrer neuen Kollektion will Johanna die Wagner-Oper Parsifal der Berliner Drag-Szene gegenüberstellen. Dafür hat sie Mario in seiner Rolle als Jurassica Parka als Muse ausgewählt. Der hat sichtlich Spaß an den aufwendigen Kleidern und der kreativen Atmosphäre im Atelier.

Zurück zu Hause legt sich Mario unter seine große Glitzer-Lampe und widmet sich wieder User-Fragen. Dabei erklärt er den Unterschied zwischen Transsexualität und Travestie. Transsexualität bedeutet, dass das Geburtsgeschlecht nicht mit dem gefühlten Geschlecht eines Menschen übereinstimmt. Weil es dabei nicht um die sexuelle Orientierung, sondern die gefühlte Identität geht, ist auch der Begriff Transidentität gebräuchlich. Im Gegensatz dazu fühlt sich Mario eindeutig als Mann und möchte auch als Mann leben. Travestie ist für ihn eine Kunstform. „Ich ziehe Kleider an, um Leute zu unterhalten. Ich bin in erster Linie Entertainer in Frauenkleidern“. Und die Schminke darf natürlich auch nicht fehlen.

Unter dicken Puder- und Make-Up-Schichten verwandelt sich Mario step-by-step in Jurassica. „Ich freue mich jetzt richtig darauf, auf der Bühne und vor Publikum zu stehen. Das gehört zu mir, zu meinem Leben und zu meinem Beruf.“ Für den alltäglichen Gebrauch taugen seine Schmink-Geheimnisse leider nicht, die Schauspieler-Maske passt besser auf die Bühne als ins Büro.

Die Verwandlung ist perfekt und aus Mario ist Jurassica geworden. „Obwohl Mario und Jurassica die gleiche Person sind, ist Jurassica frecher. Ich traue mich einfach viel mehr, wenn ich Make-Up trage.“ Ehemann Klausi chauffiert die freche Jurassica in die Bar „Rauschgold“ nach Berlin Kreuzberg, wo sie regelmäßig Events veranstaltet. Zum Beispiel kommentiert sie beim Public Viewing die Fernsehsendung „Germany’s Next Topmodel“ mit jeder Menge schwarzem Humor. Heute legt sie als DJane Platten auf. Bevor die Party startet, verabschiedet sich Jurassica von den Usern des ZDFblickwechsel. „Das war der Tag mit mir. Ich hoffe es hat euch gefallen, ich fand’s super!“.

Wenn ihr wissen wollt, wie es mit Jurassica Parka weitergeht, folgt ihr auf Facebook, Twitter, Instagram und natürlich Snapchat.