Thomas Uhlig

Astronautenausbilder

Völlig losgelöst

2018 fliegt Astronaut Alexander Gerst erneut ins All und wird der erste deutsche Commander der internationalen Raumstation ISS. Was passiert dort oben eigentlich? Flug-Direktor Thomas Uhlig hat uns einen Tag lang Einblick in die Arbeit am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen gegeben. Auf Snapchat führt er uns in den Hochsicherheitstrakt, wo Astronauten der ISS zu uns sprechen – ein Ort, an dem kein Fernsehteam jemals zuvor war.

Hier seht ihr eine Zusammenfassung seiner Erlebnisse:

Der Tag von Thomas Uhlig beginnt an der Schleuse zum Raumfahrt Kontroll-Zentrum, einem von zehn wissenschaftlichen Einrichtungen am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen. Mit mehr als 1700 Mitarbeitern gehört es zu den größten Forschungszentren Deutschlands. Bevor er hinein darf, muss Thomas durch eine Sicherheitskontrolle. Heute dauert die Prozedur etwas länger, denn die Pförtnerin, Frau Justen, bemerkt ein Problem. Thomas nimmt es mit Humor und snapt: „Beam me up, Scotty!“

„Eigentlich hätte ich gerne das gemacht“, sagt Thomas und zeigt auf einen Astronauten auf einem Poster. „Schon als Kind habe ich mit Lego Space-Shuttle-Missionen nachgespielt.“ Astronaut ist er nicht geworden, aber seine Faszination für die Raumfahrt hat er trotzdem zum Beruf gemacht. Für das DLR hat er Raumfahrer für die ISS ausgebildet und steuert heute als Flugdirektor Satelliten. Thomas nimmt uns mit in den Hochsicherheits-Trakt des Instituts. Dorthin, wo noch kein Fernsehteam filmen durfte: Den Kontrollraum, der in direktem Kontakt mit den Astronauten der internationalen Raumstation ISS steht.

Das Team im Kontrollraum arbeitet hochkonzentriert an dutzenden Monitoren, auf denen Daten und Kommandos flimmern. Thomas zeigt uns den strengen Stundenplan der ISS-Astronauten. Der erste Punkt auf ihrer To-Do-Liste ist heute eine Planungskonferenz mit dem Bodenpersonal in Oberpfaffenhofen, bei der der weitere Tagesablauf besprochen wird. Dann wird es ganz leise. „Welcome Munich“ knarzt es aus einem Lautsprecher – die Konferenz mit dem Weltraum hat begonnen. „Wir dürfen jetzt nicht mehr reden, sondern müssen leise zuhören, was mit den Astronauten besprochen wird“, flüstert Thomas. Im Kontrollraum sind alle Aufgaben strikt eingeteilt. Flugdirektorin Laura Zanardini koordiniert die Konferenz, Flight-Controllerin Serena Bertone antwortet auf Fragen der Crew, und Stefan Neumann bereitet sich darauf vor, einen Versuchsaufbau auf der ISS aus der Ferne zu starten.

Das Team in Oberpfaffenhofen arbeitet hauptsächlich für das europäische Forschungslabor Columbus, das 2008 als dauerhaftes Modul an die ISS montiert und in Betrieb genommen wurde. Thomas ist seit 2005 mit im Team und war dabei, als Columbus an die ISS andockte. „Das war eines meiner coolsten Erlebnisse“, schwärmt er heute.

In dem Mehrzwecklabor werden verschiedenste Experimente in der Schwerelosigkeit ermöglicht. Thomas’ Kollege Stefan startet gerade ein solches Experiment. „Bis jetzt habe ich das Kühlwasser angeschaltet, als nächstes werde ich die Stromversorgung anschalten“, erklärt Stefan. Mit einem Mausklick wird das Experiment im Weltraum gestartet. Was einfach klingt, ist für Thomas und seine Kollegen ein ganz besonderer Moment. „Es ist cool, wenn man ein Kommando auf die ISS in den Weltraum schicken kann. Ich durfte mal in Houston ein Bild auf das Space-Shuttle schicken, das war total super.“

Im Columbus-Modul wird jeder Zentimeter Platz ausgenutzt. „Ein großes Problem auf der ISS ist, alles unterzubringen, was man dabei haben muss“, erklärt Thomas im maßstabsgetreu nachgebildeten Columbus-Modell in Oberpfaffenhofen. Selbst an der Decke sind Experiment-Schränke angebracht, die Dank Schwerelosigkeit kopfüber von den Astronauten bedient werden können.

Am Nachmittag nimmt sich Thomas Zeit für die meistgestellte Frage der Snapchat-User: Wie kommt man zu seinem Job? Im Video steht er Rede und Antwort.

Mit Thomas’ Unterstützung hat bereits ein weltberühmter Astronaut einen halbjährigen Aufenthalt auf der ISS absolviert – Alexander Gerst. Er verbrachte vom 28. Mai bis 10. November 2014 165 Tage auf der ISS. 2018 fliegt er wieder zur Internationalen Raumstation und wird ihr erster deutscher Commander – „der Chef der sechsköpfigen ISS-Crew“, wie Thomas erklärt.

Für alle, die wie Alexander Gerst in den Weltraum fliegen, oder auch am Boden mitarbeiten möchten, hat Thomas ein paar Tipps: „Man muss Begeisterung für die Raumfahrt mitbringen, gute Englischkenntnisse und ein naturwissenschaftliches oder Ingenieur-Studium“. Wer am Boden bleibt, darf nach Feierabend nach Hause fahren. Das hat sich jetzt auch Thomas verdient und verabschiedet sich von ZDFblickwechsel.